Kategorie: longdrinks (Seite 2 von 4)

Von einem Longdrink hat man wie der Name schon sagt länger was. Alle Posts in dieser Kategorie brauchen entsprechend ein Weilchen, bis man damit durch ist. Dafür sind sie dann auch ein Rundumschlag, bei dem ich so tief ins Glas geschaut habe, wie ich kann. Und ja, das ist immer noch als bildhafter Vergleich zu betrachten.

Offenkundig Bullshit

Kritisches Denken wird beworben wie nie zuvor. Zwar gibt es deutliche Unterschiede in der Auffassung darüber, wie das konkret auszusehen hat (immerhin halten sich auch Flache-Erde-Gläubige für besonders kritische Köpfe), aber die generelle Intention ist ja schon mal lobenswert. Häufig wird die Sorge geäußert, wissenschaftliche Studien könnten gekauft sein – und zwar heimlich, sodass für den Leser einer Veröffentlichung nicht ersichtlich ist, ob dem Ergebnis zu trauen ist oder nicht.
Gekaufte oder gefälschte Resultate existieren natürlich und sind durchaus ernst zu nehmen. Trotzdem ist das Problem in der Wissenschaft weniger groß, als man vielleicht glauben mag. In der weiteren Veröffentlichung der Ergebnisse allerdings schon. Ich erkläre anhand einer Beispielstudie, wieso die Finanzierung der Studie nur zweitrangig ist – und darüber hinaus eigentlich sehr gut erkennbar. Weiterlesen

Quarks mit Sauce

Ich weiß, ich weiß. Es ist fast schon langweilig. Die Journalisten sagen, die Wissenschaftler sind sich nicht einig und erzählen den ganzen Tag nur Quark. Und die Wissenschaftler sagen, die Journalisten verzerren (aus Imkompetenz oder Sensationsgeilheit) Forschungsergebnisse und erzählen den ganzen Tag nur Quark. Ich gehöre zum „Team Wissenschaft“ und muss gestehen, dass man auch Forscher ordentlich Bullshit von sich geben hört, aber das macht den gequirlten Unfug, den populärwissenschaftliche Magazine so von sich geben, auch nicht wertvoller. Weiterlesen

Let’s talk about sex – Verhütung experimentell?

Wir reden zu wenig über Sex. Während einige jetzt schon begeistert nicken werden, meine ich das todernst. Das Problem mit Tabuthemen ist nämlich, dass sie Erkenntnisgewinn massiv im Weg stehen und das kann eigentlich nur gegen unser aller Interesse sein. Wenn wir über unser Sexualleben maximal dann sprechen, wenn es reibungslos läuft (oder das auf Nachfrage zumindest behaupten) und gerade die unangenehmen oder heiklen Themen unter den Teppich kehren, entsteht rasch das Bild, dass es bei allen „läuft“. Was es umgekehrt umso peinlicher macht, über eigene Probleme zu reden – immerhin ist man ja scheinbar der einzige Depp, den das betrifft. Menschen regen sich darüber auf, dass Pornos unrealistische Standards setzen – aber was ist mit unserer Alltagskommunikation? Den Dingen, die wir eben nicht sagen?

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Gedankenkreißen – schlechtere Betreuung in größeren Kliniken?

Manche Headlines wirken eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Heute früh weckte mich die Süddeutsche mit einem Artikel, der besagte: „Die Erfahrungen von Müttern im Kreißsaal und auf der Wöchnerinnenstation sind umso negativer, je größer die Klinik ist.“ Gleichzeitig sitze ich auch vor meinen Lernunterlagen der anstehenden Klausurphase und was mich beim Stoff für Diagnostik – Testen und Entscheiden am meisten fasziniert, ist das sogenannte Simpson Paradoxon. Dabei geht es um scheinbar gegensätzliche Zusammenhänge in ein und demselben Datensatz – je nachdem, wie man ihn betrachtet. Das hat gar nicht unbedingt mit verdrehter Statistik zu tun und schon gar nicht mit gefälschten Daten. Die sich ergebenden Muster in den Daten sind echt und die Interpretation ist gar nicht so einfach.

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Meine Oma, Akupunktur und irgendwas in der Mitte

Wie ich bereits anmerkte, ist es nicht leicht, der Psycho in der Familie zu sein. Das trifft vor allem dann zu, wenn es um „alternative Medizin“ geht, ein Thema, das meinen Puls signifikant im Vergleich zu einem Placebo steigen lässt. Das aber andererseits wie in den meisten Familien relativ verbreitet und anerkannt ist. Ich halte es mit dem geflügelten Zitat Tim Minchins in seinem großartigen Gedicht Storm (keine Sorge, es ist ein nettes Comic-Video und Musik dabei): „Do you know what they call alternative medicine that’s been proved to work? – Medicine.“ Meine Familie sieht das natürlich ein wenig anders. „Aber mir hat’s geholfen!“ Ich dagegen führe ins Feld, dass man selbst, als einzelne Person, praktisch niemals wissen kann, ob einem etwas geholfen hat oder nicht. Dabei gebe ich selbst zu, dass das ziemlich irre und potenziell bedrohlich klingt.

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